Osteopathie

Entstehung der Osteopathie

Vor gut 130 Jahren begründete der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still die Osteopathie Enttäuscht von den Ergebnissen und Arbeitsweisen der damaligen Medizin suchte Still nach einem neuen Verständnis von Gesundheit, Krankheit, von den Zusammenhängen des menschlichen Körpers und von dem, was Medizin sein sollte. Still entdeckte die Selbstheilungskräfte des Körpers, die bei richtiger Stimulation Krankheiten heilen können. Fasziniert stellte er fest, dass er diese Stimulation durch sanften Druck seiner Hände auslösen kann. Still entwickelte ein mechanisches Verständnis des Körpers, bei dem alles in Bewegung ist und miteinander zusammenhängt. So entstand 1874 die Osteopathie als eine neue Form der Heilkunde, die ganz auf Medikamente verzichtet, die nicht die Symptome behandelt, sondern nach den Ursachen von Krankheiten sucht. In der Osteopathie wird nicht die Krankheit geheilt, sondern dem Körper geholfen, sich selbst zu heilen.

Diese Seite beantwortet Ihnen folgende Fragen:
- Was ist Osteopathie?

- Untrennbare Einheit?
- Grenzen der Ostepathie?
- Welche Möglichkeiten bietet die Osteopathie?
- Wo kann die Osteopathie unter anderem wirken?
Wie ist der Ablauf einer Behandlung?
- Kosten
Welche Ausbildung braucht ein Osteopath(in)?


 

Was ist Osteopathie?

Die Osteopathie ist eine eigenständige Form der Medizin. Sie dient dem Erkennen und Behandeln von Funktionsstörungen. Dazu nutzt sie eigene Techniken, die mit den Händen ausgeführt werden. Die Osteopathie nimmt jeden Patienten als Individuum wahr und behandelt ihn in seiner Gesamtheit. Sie ist deshalb eine ganzheitliche Form der Medizin. Ein Osteopath nutzt ausschließlich seine Hände. Als feinfühlige und jahrelang geschulte Instrumente kann er mit ihnen Bewegungseinschränkungen erkennen und osteopathisch behandeln.


Untrennbare Einheit

Unser Organismus besteht aus unzähligen Strukturen, die alle miteinander direkt oder indirekt zusammenhängen. Den Zusammenhang stellen die Faszien her, dünne Bindegewebshüllen, die jede Struktur umgeben und gemeinsam eine große Körperfaszie bilden. In der Schulmedizin finden die meisten Faszien kaum Beachtung. Für die Osteopathie sind sie dagegen von großer Bedeutung. Denn folgt der Osteopath mit seinen Händen einer Faszie, so gelangt er von einer Körperstruktur zur nächsten. Faszien verbinden auch solche Strukturen, die funktionell nichts miteinander zu tun haben. Faszien können zudem Veränderungen übertragen, wie etwa Funktionsstörungen. Dies erklärt, warum Ursachen an einer Stelle oft zu Beschwerden in ganz anderen Körperregionen führen. Funktionsstörungen können deshalb immer den gesamten Organismus betreffen. Darum behandelt die Osteopathie nie einzelne Beschwerden oder Krankheiten, sondern immer den Patienten in seiner Gesamtheit.

 

Grenzen der Osteopathie

Die Osteopathie ist kein Allheilmittel. Akute und schwere Krankheiten können begleitet werden, gehören aber in jedem Fall in die Hände eines Arztes.

 

Welche Möglichkeiten bietet die Osteopathie?

Die Osteopathie bietet gegenüber der Schulmedizin eine ganze Reihe von zusätzlichen Möglichkeiten. Sie beschäftigt sich nicht mit der Behandlung einzelner Symptome, sondern will immer die Ursachen von Beschwerden aufspüren und behandeln. Die Osteopathie bietet in Abhängigkeit von der individuellen Situation und Diagnose des Patienten eine eigene Therapieform oder auch eine sinnvolle Ergänzung mit anderen Therapien und Maßnahmen wie z.B. von Hebammen, der Homöopathie, Physiotherapie, Psychotherapie, Zahnheilkunde und Kieferorthopädie, neurophysiologischer Entwicklungsförderung von Kindern oder hochschulärztlichen Maßnahmen.  Ziel einer Osteopathiebehandlung ist, die Funktionsstörungen und Blockaden, die eine Krankheit herbeiführen, begünstigen oder aufrechterhalten, zu lösen und so dem Körper zu helfen, Gesundheit wiederzuerlangen. Somit ist sie bei den meisten Krankheiten sinnvoll, da diese oft Ausdruck eines gestörten Zusammenspiels der verschiedenen Systeme des Körpers und der Organe sind.

 

Wo kann Osteopathie unter anderem wirken?

  • im Bereich des Bewegungsapparates: Gelenkprobleme, Hexenschuss, Ischialgie, Schleudertrauma, Verstauchung und andere Verletzungen, ...
  • im internistischen Bereich: Verdauungsstörungen, Sodbrennen, Organsenkung, Operationsfolgen wie Narben und Verwachsungen, funktionelle Herzbeschwerden, ...
  •  im Hals-Nasen-Ohren-Bereich: Kopfschmerzen, Migräne, Nasennebenhöhlenentzündung, chronische Mittelohrentzündung, Mandelentzündung, Schwindel, Tinnitus, Kiefergelenksproblematik Bissregulation, ...
  • im urogenitalen Bereich: Menstruationsbeschwerden, Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung und -nachsorge, klimakterische Beschwerden, …
  • in der Kinderheilkunde: geburtsbedingte Schädel- und Gesichtsverformungen, Schiefhals, Kiss-Syndrom, Skoliose, Hüftdysplasie, Spuckkind, Entwicklungsverzögerungen, Lern- und Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS), Behinderungen, ...
  • bei Hauterkrankungen: Neurodermitis, Gürtelrose, ...

Nicht  für jeden Bereich existiert eine relevante Anzahl evidenzbasierter Studien, die die therapeutische Wirksamkeit belegen.

 

Wie ist die Ablauf einer Behandlung?

Nach ausführlicher Anamnese erfolgen Diagnose und Therapie ausschließlich mit den Händen. Der Osteopath kann bei der Untersuchung das menschliche Gewebe Schicht für Schicht ertasten. So spürt er Bewegungseinschränkungen und Spannungen auf, die er mit speziell für die Osteopathie entwickelten Techniken behandelt. Eine osteopathische Behandlung dauert durchschnittlich 45 Minuten.
Der Körper kann etwa zwei bis drei Wochen lang auf eine osteopathische Behandlung reagieren. Jede neue Therapiesitzung wird individuell auf die Symptome des Patienten abgestimmt.
Nach viermaliger osteopathischer Behandlung wird üblicherweise eine Besserung der Beschwerden zu verzeichnen sein. Der genaue Verlauf ist jedoch von dem Einzelfall abhängig.
Mitzubringen sind jeweils ein Handtuch als Unterlage sowie bei Kinderbehandlungen das gelbe U-Heft, den Mutterpass und evtl. vorhandene Arztberichte bei Erwachsenen.

Der genaue Ablauf bei Erwachsenen und Kindern unterscheidet sich wie folgt:

 Behandlung in der Schwangerschaft

Die Behandlung in der Schwangerschaft ist sanft und den „Umständen“ angepasst. Es werden keine Gelenke mit Gewalt eingerenkt, sondern unter Berücksichtigung funktioneller Zusammenhänge vorsichtig korrigiert. Es finden keine Techniken Anwendung, die die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährden oder Wehen auslösen könnten. Durch die hormonelle Umstellung, die Gewichtszunahme und die Verlagerung des Körperschwerpunktes in der Schwangerschaft treten häufig funktionelle Störungen im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens auf. Auch Beschwerden, die durch das Wachstum der
Gebärmutter und der damit verbundenen Verdrängung der Organe entstehen, sprechen gut auf die Behandlung an. Dazu gehören u.a. Reizungen von Blase, Nieren, Magen und Darm.
 Durch Blockaden des Beckens kommt die Beckenbodenmuskulatur ins Ungleichgewicht und das Köpfchen des Babys kann während der Geburt den Weg durch den Geburtskanal nicht so gut finden. Das hat einen negativen Effekt auf die Geburtsdauer.

 Säuglingsbehandlung

Der erste Termin beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Ihr Motiv für den Besuch in meiner Praxis, sowie über den Verlauf der Schwangerschaft und der Geburt. Aus dem gelben Heft entnehme ich einige wichtige Daten [u.a. Geburtsgewicht und -größe, Geburtslage, Komplikationen; APGAR-Werte]Anschließend untersuche ich ihr Baby von Kopf bis Fuß. Dabei liegt es auf meiner Behandlungsliege, ich taste sanft den ganzen Körper ab und untersuche alle Gelenke und Organsysteme. Im Allgemeinen beginne ich an den Füßen, damit sich das Baby langsam an mich und die neue Umgebung gewöhnen kann. Sollte ihr Baby aus irgendeinem Grund unruhig werden und weinen, können sie es selbstverständlich auch auf dem Arm halten und gegebenenfalls stillen oder die Flasche geben.
Hieraus geht meistens schon die Behandlung hervor, d.h. wenn ich eine Bewegungseinschränkung finde, korrigiere ich sie gleich mit speziellen osteopathischen Techniken. Für ihr Baby ist das völlig schmerzfrei, manchmal protestieren die Kleinen und zeigen damit ihren Unmut über die Situation. Sie dürfen sich mit auf die Behandlungsbank setzen und können ihr Baby nötigenfalls ablenken und beruhigen.

Behandlung von Jugendlichen und Erwachsen

Der erste Termin beginnt auch hier mit einem ausführlichen Gespräch über die Symptome, Lebensumstände, vorausgegangene Erkrankungen, Operationen, Unfälle und sonstige körperliche Beschwerden.
Es schließt sich eine körperliche Untersuchung aller Gelenke und Organsysteme im Stehen und Liegen an. Durch die Befragung und die körperliche Untersuchung ergibt sich ein Gesamtbild, auf dem die zukünftige Behandlung beruht.

 

 

Kosten

Die Preise richten sich nach Dauer und Aufwendung der Behandlung und liegen derzeit bei ca.:

Säugling- und Kinderbehandlung (bis 10 Jahre)                55,00 € - 65,00 €

Jugendliche und Erwachsenenbehandlung                         70,00 € - 80,00 €

Einige Krankenkassen übernehmen teilweise einige osteopathische Behandlungen.

Bitte informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, inwieweit diese bezuschusst werden.

 

Sie erhalten von mir eine Rechnung, mit der Sie zunächst in Vorleistung gehen, die Sie anschließend jedoch bei Ihrer Krankenkasse mit der Bitte um Erstattung einreichen können.

 

Welche Ausbildung braucht ein Osteopath(in)?

In Deutschland erfolgt die Ausbildung zum Osteopathen vorrangig an privaten Osteopathie-Schulen. Die meisten dieser Schulen bieten ihre Ausbildung berufsbegleitend an. Die berufsbegleitende Ausbildung richtet sich an Ärzte, Heilpraktiker, Physiotherapeuten. Da die Osteopathie in Deutschland als Heilkunde gilt, darf sie nur von Ärzten oder Heilpraktikern eigenständig praktiziert werden. Andere Berufsgruppen müssen während oder nach ihrer Ausbildung den Heilpraktikertitel erwerben. Wer nicht Arzt oder Heilpraktiker ist, darf nur auf Anordnung eine Arztes oder Heilpraktikers „in den Grenzen seines Grundberufes“ osteopathisch arbeiten. Osteopathie wird ebenfalls als fünfjährige Vollzeitausbildung angeboten. Dieses Angebot richtet sich vorwiegend an Abiturienten. Während ihrer Ausbildung werden diese auf die Prüfung zum Erwerb des Heilpraktikertitels vorbereitet, ohne den sie die Osteopathie nicht eigenständig praktizieren zu dürfen. Seit 2011 wird an der Hochschule Fresenius in Zusammenarbeit mit dem Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V. der erste grundständige Bachelor-Studiengang in Osteopathie Deutschlands angeboten. Der 1994 gegründete Verband der Osteopathen Deutschland (VOD) e.V. setzt sich für die Anerkennung des Osteopathen als eigenständiger Beruf ein und klärt über Osteopathie auf. Auf der Therapeutenliste des VOD unter www.osteopathie.de sind nach Postleitzahlen geordnete Osteopathen mit langjähriger Ausbildung zu finden, die sich ständig fortbilden.